Athen-Marathon – zwischen Klassenausflug, Tsatsiki und Zweifel

Ein ehrlicher Erfahrungsbericht vom Authentic Athens Marathon

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42. Athen Marathon | 09.11.2025

 

 Wenn man plötzlich alles hinterfragt

Wenn ich meine Lauf„karriere“ hätte beenden wollen, dann wäre das der perfekte Tag gewesen. Und nein, nicht weil ich mit diesem Marathon alles erreicht hätte – sondern eher, weil ich mich diesmal ernsthaft gefragt habe, ob ich überhaupt schon jemals einen Marathon gelaufen bin.

Es war ein Kampf.

Okay, jeder Marathon ist ab einem gewissen Punkt irgendwo und irgendwie ein Kampf. Aber diesmal war es schon sehr speziell.

Aber von Anfang an …

 

Warum ausgerechnet der Athen-Marathon?

Nachdem ich im Frühjahr die Major-Serie mit dem Tokio-Marathon abgeschlossen hatte, mussten neue Ziele und Städte her. Von vielen Lauffreunden habe ich immer wieder gehört, wie toll und einzigartig der Authentic Athens Marathon sein soll. Griechenland ist mir – sowohl wegen der Menschen als auch wegen Geschichte und Kulinarik – schon immer sehr nah gewesen, aber nach Athen hatte ich es irgendwie noch nie geschafft.

Olli musste ich auch nicht lange überzeugen. Also, von einem weiteren Marathonlauf vielleicht schon eher als von der Tatsache, dass wir im Herbst nochmal das tristere Deutschland-Wetter gegen ein paar Sonnenstrahlen eintauschen würden.

Gesagt, getan – und so haben wir uns im April für sehr günstige 55 Euro angemeldet. Bei dieser Startgebühr wäre auch nicht viel verloren gewesen, falls man aus welchen Gründen auch immer nicht an der Startlinie stehen kann.

 

Zwischen Marathon-Anmeldung, Umzug und Plantarfaszie

Nach der Anmeldung kamen aber erstmal noch Frühling, Sommer und Herbst – und damit viele weitere Highlights und plötzlich eintretende Situationen, die umschifft und koordiniert werden mussten.

Ich sag nur: Hätte ich im April bereits gewusst, dass ich in der Woche nach dem Athen-Marathon mit einer kompletten Wohnung, einem Büro und zwei Kellerräumen quer durch Deutschland von München nach Hamburg umziehen würde … dann … hätte ich den Marathon vielleicht um ein Jahr verschoben. Aber wirklich nur vielleicht.

Zusätzlich kam hinzu, dass ich mir irgendwann im Laufe dieses Jahres die Plantarfaszie an der rechten Fußsohle angerissen habe (ich vermute, dass das schon während des Tokio-Marathons passiert ist) – und sie einfach nicht heilen wollte. Okay, ich bin ehrlich: Sie konnte auch nicht wirklich heilen, weil ich schlicht keine Laufpause eingelegt habe.

Das sollte sich in der Marathonvorbereitung – und dann auch beim Marathon selbst – rächen. Ich hatte kaum lange Läufe in der Vorbereitung, und von strukturiertem Training konnte ebenfalls keine Rede sein. Das zeigt einmal mehr: Ohne konsequentes Training sieht der Erfolg eben anders aus.

Aber nun genug des Jammerns und Ausredens – auf nach Athen.

Ankommen in Athen: Akropolis, Tsatsiki und Marathonmesse

Donnerstagvormittag ging es für Olli und mich von München mit Aegean Airlines nach Athen. Und wenn nochmal jemand sagt, dass der Münchner Flughafen weit „draußen“ ist: Welcome to Athens.

Nachdem wir in der Stadt angekommen waren und unser AirBnB bezogen hatten, ging es direkt auf die erste Entdeckungstour – inklusive erstem authentischen griechischen Abendessen mit Tsatsiki, Feta, gefüllten Weinblättern und Co. Ganz romantisch ließen wir den Abend mit Blick auf die erleuchtete Akropolis ausklingen.

Der Freitag stand zunächst im Zeichen von Homeoffice. Uns kommt es jedes Mal sehr gelegen, dass wir von überall arbeiten können – produktiv und dabei in immer schöner und abwechslungsreicher Umgebung.

Nachmittags ging es dann zur Startnummernabholung auf der Marathonmesse, um das nicht erst am Samstag erledigen zu müssen. Die Messe hat uns tatsächlich überrascht: groß, gut organisiert und mit vielen namhaften Ausstellern. So verbrachten wir dort deutlich mehr Zeit, als wir eigentlich geplant hatten.

Zurück in der Stadt verbanden wir weiteres Sightseeing direkt mit einem Abendessen. Inzwischen waren auch unsere Freunde in Athen angekommen, die wir später noch auf ein Gute-Nacht-Getränk in einer kleinen Straßen-Taverne trafen. Gemeinsam stimmten wir uns auf die bevorstehenden Tage ein.

Der Tag vor dem Marathon: Routinen & Nervosität

Der Samstag war nun endlich gekommen, und erfahrungsgemäß steigen an diesem Tag Vorfreude und Aufregung vor dem anstehenden Marathon spürbar an.

Wir stimmten uns mit einem Shake-out-Run mit den adidas Runners Athens ein. Auch wenn dieser Shake-out-Run nicht wirklich ein klassischer Shake-out war, hatten wir in dieser riesigen Gruppe unglaublich viel Spaß. Es ist einfach immer wieder toll, mit so vielen Gleichgesinnten gemeinsam seiner Leidenschaft nachzugehen.

Nach einer kleinen Stärkung machten Olli und ich uns wieder auf den Weg zurück in unser AirBnB, um die Beine für den Marathon-Sonntag noch etwas zu schonen.

Am frühen Abend gingen wir dann traditionell Pasta essen. Ob das wirklich etwas mit Carbo-Loading zu tun hat, überlasse ich gern jedem selbst. Aber auch Traditionen und Routinen können durchaus förderlich sein. Auf dem Weg zum Restaurant sind wir noch auf die Strecke des 5-km-Laufs gestoßen und konnten dort direkt ein wenig anfeuern.

Nach dem Abendessen ging es dann direkt nach Hause und relativ zügig ins Bett, denn der Athen-Marathon wollte am nächsten Tag gerne sehr früh mit einer Busfahrt nach Marathon beginnen.

Renntag: Fragen, Zweifel und ein früher Wecker

Und während Athen langsam zur Ruhe kam, lagen wir im Bett und wussten beide: Der nächste Wecker würde kein gewöhnlicher sein. Kein Sightseeing, kein Homeoffice, kein entspanntes Frühstück.

Sondern ein früher Start in einen Tag, der sich schon jetzt schwerer anfühlte als andere Marathontage zuvor. Nicht wegen der Strecke, nicht wegen der Distanz – sondern wegen all der Fragezeichen, die sich in den letzten Monaten angesammelt hatten.

Wie gut ist der Fuß wirklich?
Reicht die Vorbereitung?
Und was passiert, wenn es irgendwann einfach nicht mehr geht?

Antworten darauf sollte es am nächsten Morgen geben. In Marathon.

Start in Marathon: Gemeinsam loslaufen

Der Wecker klingelte früh. Sehr früh. So früh, dass man kurz überlegen muss, ob man wirklich freiwillig aufsteht.

Noch im Halbschlaf machten wir uns fertig und machten uns auf den Weg zu den Bussen. Die Stimmung war ruhig, fast schon andächtig. Viele müde, aber auch bekannte Gesichter und gute Gespräche – so verging die Fahrt zum Start sehr angenehm.

In Marathon angekommen wurde es dann real: Startnummer auf der Brust, Einsortieren in den Startblock, letzte Checks. Trotzdem war da dieses leichte Unbehagen. Keine überschäumende Euphorie, kein „Heute zieh ich durch“. Eher ein vorsichtiges Abtasten.

Der Startschuss fiel, und wir setzten uns in Bewegung. Olli und ich hatten den Deal: Wir laufen gemeinsam von Anfang bis Ende. Jeder nimmt Rücksicht auf den anderen. Und diesmal musste Olli wirklich sehr viel Rücksicht nehmen.

Höhenmeter, Hitze und Gedanken ans Aufgeben

Die ersten Kilometer liefen noch erstaunlich gut. Ich versuchte bewusst, mich zurückzuhalten und meinen Rhythmus zu finden. Der Fuß meldete sich irgendwann – noch nicht extrem schmerzhaft, aber präsent genug, um zu wissen: Das hier wird kein lockerer Sonntagslauf.

Die Strecke begann langsam anzusteigen. Noch moderat, noch kontrollierbar. Aber Athen schenkt einem die Höhenmeter nicht auf einmal – sie kommen schleichend. Kilometer für Kilometer. Genau das macht diesen Marathon so gnadenlos.

Ich stand mit diesem Marathon schon vor der Halbmarathon-Marke auf Kriegsfuß. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so oft ans Aussteigen gedacht zu haben. Fehlender Schatten, wenige Highlights – all das verstärkte dieses Gefühl.

Ich sortierte mich innerlich: Atmung, Schrittfrequenz, Körpersignale. Einfach laufen. Oder zumindest versuchen. Einen Schritt vor den anderen. Und so habe ich bei diesem Marathon zum ersten Mal auch bewusst Gehpassagen eingebaut.

Die letzten Kilometer: Durchhalten statt Durchziehen

Irgendwann war klar: Das hier wird kein Rennen mehr.

Keine Jagd nach Zeiten, kein Rechnen, kein Hoffen auf ein starkes Finish. Es ging nur noch darum, weiterzulaufen. Schritt für Schritt.

Ich lief viel bei mir. Nicht, weil Olli nicht mehr da war – er hat mich wirklich durchgezogen – sondern weil man diesen Teil eines Marathons nur mit sich selbst ausmacht.

Als es schließlich bergab Richtung Stadt ging, kam kurz Hoffnung auf. Aber Athen wäre nicht Athen, wenn es einem das nicht direkt wieder nehmen würde. Der Körper blieb schwer. Kein Loslassen. Nur Funktionieren.

Und trotzdem wusste ich: Ich werde ankommen.

Zieleinlauf im Panathinaiko-Stadion

Als die Strecke ins historische Panathinaiko-Stadion führte, änderte sich etwas. Nicht laut, nicht euphorisch – eher leise. Dieses Stadion trägt so viel Geschichte, dass man selbst in völliger Erschöpfung spürt, Teil von etwas Besonderem zu sein.

Wir liefen gemeinsam durch das Zieltor. Kein Triumph, kein Ausbruch – sondern Erleichterung. Tiefe, ehrliche Erleichterung.

Ich war fertig. Körperlich und mental.

Danach: Erkenntnisse, Freunde und Rückreise

Nach dem Ziel ging alles nur noch langsam: Medaille, Wasser, stehen bleiben, weitergehen.

Später kam die eigentliche Erkenntnis: Dieser Marathon war vielleicht nicht schön. Aber ehrlich. Er hat mir nichts geschenkt – keine Bestzeit, keine Leichtigkeit. Aber er hat mir gezeigt, warum ich laufe.

Am Abend trafen wir uns mit unseren Lauffreunden zum gemeinsamen Essen. Kein großes Feiern, kein Analysieren von Zeiten. Einfach zusammensitzen, essen, lachen und diesen besonderen Tag ausklingen lassen.

Am nächsten Tag ging es zurück nach Hause. Mit schweren Beinen, leerem Energiespeicher – aber dem guten Gefühl, etwas erlebt zu haben, das bleibt.

Athen war kein Marathon für Bestzeiten. Sondern einer für die Erinnerung.

Veranstalter: The Hellenic Association of Athletics & Gymnastic Clubs

Homepage: athensauthenticmarathon.gr/en

Datum: jedes Jahr im November (2026: 08.11.)

Kosten Startplatz: 55 – 65 EUR je nach Anmeldezeitpunkt

Teilnehmerzahl / Limit: 22.000 (2025)

Start: Marathon Town

Ziel: Athen / Panathinaiko-Stadion

Streckenbeschaffenheit: asphaltiert, wellig

Streckenführung: Punkt-zu-Punkt-Kurs von Marathon nach Athen durch griechische Dörfer

Zielschluss: 18:20 Uhr

Pre-Race Infos:

  • Startunterlagenausgabe: Mittwoch bis Samstag Marathon EXPO

  • Marathonmesse: ja, zahlreiche Aussteller

  • Taschen-Aufbewahrung: ausschließlich im Zielbereich (keine Abgabe im Startbereich möglich); Abgabe der Taschen ausschließlich auf der Marathon-Messe

Race:

  • Zeitmessung: via Transponder in Startnummer

  • Verpflegung: alle 2,5km Wasser alle 5km Iso

Post-Race Infos:

  • Wertung: getrennte Einzel- und Teamwertung Männer und Frauen

  • Siegerehrung: im Stadion

  • Verpflegung: Wasser, Bananen

  • Sanitäre Einrichtung: Duschen und Umkleidebereiche vorhanden

  • Medaille: ja

  • Urkunde: digital

Zuschauer-’Rennen’: jein (auf der Strecke eher schwierig, im Stadion absolute Gänsehaut-Atmosphäre auch für Zuschauer)

Tonis persönliche Wertung: 3 von 5 (aber als Marathonläufer sollte man THE AUTHENTIC einmal gelaufen sein)

 
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